Pressespiegel

Samstag, 05.09.2020, Gießener Anzeiger

Ralf Volgmann tritt bei Wettenberger Bürgermeisterwahl 2021 an

Thomas Brunner hört nach zwei Amtszeiten auf. Er wird im Sommer 2021 nicht erneut als Bürgermeisterkandidat antreten. Sein Nachfolger ist kein Unbekannter.

Amtsinhaber Thomas Brunner will nicht noch einmal für den Chefposten im Wettenberger Rathaus kandidieren. Ralf Volgmann (l.) tritt als SPD-Kandidat bei der Wahl im kommenden Jahr an. Foto: Meina

Amtsinhaber Thomas Brunner will nicht noch einmal für den Chefposten im Wettenberger Rathaus kandidieren. Ralf Volgmann (l.) tritt als SPD-Kandidat bei der Wahl im kommenden Jahr an. Foto: Meina

Wettenberg (jem). Damit hat wohl kaum jemand gerechnet: Nicht Amtsinhaber Thomas Brunner wird bei der Wettenberger Bürgermeisterwahl 2021 für die SPD antreten, sondern Parteivorsitzender Ralf Volgmann. Das teilten die beiden bei einem Pressegespräch am Freitagvormittag mit. "Es war eine sehr schwere Entscheidung. Nicht nur, weil das Amt ein Traumjob ist, sondern auch, weil ich so viel Zuspruch bekommen habe, dass ich noch einmal antreten soll", sagt Brunner, der in seiner zweiten Amtszeit als Rathauschef ist.

Bereits Ende vergangenen Jahres habe er ein anderes Angebot bekommen und sich seither damit beschäftigt. "Mit 56 bin ich in einem Alter, da muss ich mich entscheiden: Weitermachen oder mich beruflich noch einmal einer neuen, großen Herausforderung stellen." Noch sei zwar nichts entschieden - verraten, wohin es gehen soll, wollte Brunner auch noch nicht -, aber das Risiko reizt ihn sehr. Zudem sei jetzt eine gute Zeit zu gehen, denn Wettenberg befinde sich in einer guten Situation. "Die Weichen sind gestellt: Die Gemeinde ist auf den Feldern Soziales, Umwelt und Finanzen gut aufgestellt. Jetzt liegt es an meinem Nachfolger, das weiter zu führen." Volgmann hat laut Brunner das Herz am rechten Fleck und nicht nur bei seiner erfolgreichen Arbeit in der Gießener Nordstadt gezeigt, was er kann.

Jugend miteinbeziehen

Und das will Volgmann nun auch zeigen: 1963 in Berlin geboren, wuchs er im ostwestfälischen Minden-Lübbecke auf, wo er auch seinen Hauptschulabschluss und seine Ausbildung zum Bäcker absolvierte. Weil er in dem Beruf aber nie arbeiten wollte, war er acht Jahre bei der Bundeswehr als Zeitsoldat angestellt. "Ich wollte mich finanziell gut aufstellen und mich weiterbilden, also machte ich dort meinen Realschulabschluss mit der Fachrichtung Wirtschaft." Doch es sollte nicht in die wirtschaftliche, sondern in die soziale Richtung gehen. So absolvierte Volgmann in Kassel an der Sozialfachschule eine fünfjährige Ausbildung mit den Schwerpunkten Erziehung und Religion. Zwei längere Praktika in der evangelischen Paulus- und in der Stephanusgemeinde führten ihn nach Gießen, wo er sich in die Region verliebte.

Der Liebe wegen zog er 2002 schließlich nach Gleiberg - in das Elternhaus seiner Frau. "Ich bin von allen gut aufgenommen worden und fühle mich Zuhause." Volgmann arbeitet seitdem in Gießen. Zunächst als Gemeindepädagoge in der Paulusgemeinde, dann im Jugendzentrum in der Nordstadt und anschließend übernahm er die Leitung der CVJM Gießen. 2010 machte sich Volgmann für rund ein Jahr selbstständig, als er das Café Rühl übernahm, aus wirtschaftlichen Gründen 2011 aber wieder abgab. Danach arbeitete er in dem Verein zur Förderung der Schulen der Stadt Gießen, für dessen Nachfolgeunternehmen Giessen@Schule gGmbH er seit 2018 als Geschäftsführer tätig ist. Hier ist Volgmann nicht nur verantwortlich für rund 275 Mitarbeiter, sondern auch für die Organisation rund um die Ganztagsbetreuung an Schulen.

"Teamwork ist für mich ganz wichtig. Auch als Bürgermeister muss man sich auf seine Partei völlig verlassen können, aber auch mit den anderen Fraktionen ein gutes Miteinander pflegen", so Volgmann, der seit 2010 in der SPD und seit 2011 in der Wettenberger Gemeindevertretung ist. Zuvor war er zehn Jahre lang im Fachausschuss der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Gießen, Vorsitzender im Stadtjugendring und ist immer noch Vorstandsmitglied des Nordstadtvereins. Dass er also vor allem Kinder und Jugendliche mehr in politische Prozesse einbeziehen will, ist wenig überraschend. Dabei gehe es ihm nicht nur um projektbezogene Themen wie einen Skaterpark, sondern Politik im Allgemeinen, wie etwa die Zukunft des Waldes. Begegnungsplätze für jedes Alter seien deshalb wichtig. Ein guter Schritt sei mit den Generationsplätzen in Launsbach und Wißmar geschafft, sagt Volgmann, der auch Vorsitzender des Sozialausschusses ist.

"Keine Schlafgemeinde"

Generell möchte der SPD-Kandidat die Bürgerbeteiligung noch stärker in den Mittelpunkt stellen, Menschen mit in die Prozesse einbinden. "Sie sollen nicht das Gefühl haben, die politischen Gremien bestimmen etwas, und dann wird das so gemacht", betont auch Professor Ulrich Ellinghaus, der SPD-Fraktionsvorsitzende. Denkverbote soll es deshalb keine geben.

"Wettenberg ist keine Schlafgemeinde", betont auch Volgmann. Die Bürger und Vereine gestalten das Leben mit, wohnen und arbeiten auch hier, weiß er auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzende des Bürgerprojekts Gleiberg. Und das soll sich unter ihm als Rathauschef noch weiter ausbauen.

"Wir wollen eine Politik für die Breite der Bevölkerung. Am besten jeder der will, aber zumindest die, die in Wettenberg arbeiten, sollen auch hier wohnen können." Der Bau von bezahlbaren Wohnungen sei deshalb längst eine kommunale Aufgabe, da der Markt das schlicht nicht mehr schaffe.

Eine weitere Herausforderung: das ortsteilbezogene Denken. "Als Mitglied des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg, das sich derzeit mit der Fusion der drei Kirchengemeinden beschäftigt, weiß ich, dass das immer noch ein Thema ist. Das muss aber aufhören, niemand darf sich benachteiligt fühlen." Auch in der Gemeindevertretung nicht. So sei es zwar vorderstes Ziel der SPD, bei den Kommunalwahlen wieder als stärkste Fraktion hervorzugehen. Einigkeit mit allen Fraktionen, so wie es in Wettenberg fast schon Tradition ist, sei weiterhin wichtig.

Gespräche mit den Grünen über eine mögliche Unterstützung Volgmanns sollen nach der SPD-Mitgliederversammlung am 22. Oktober geführt werden. Für die CDU tritt bekanntlich Andreas Heuser an. Brunners Nachfolger wird das Amt im Februar 2022 übernehmen.

xxxxx

23. Oktober 2020, Gießener Allgemeine

Der Teamplayer

Jetzt ist es (partei-)amtlich: Ralf Volgmann ist Bürgermeisterkandidat der SPD in Wettenberg und soll ab Februar 2022 Thomas Brunner im Rathaus nachfolgen. Zugleich ist der 57-jährige Krofdorf-Gleiberger Spitzenkandidat auf der SPD-Kandidatenliste für die Kommunalwahl am 5. März 2021.

© Ruediger Sossdorf

© Ruediger Sossdorf

Die Wettenberger Sozialdemokraten haben ihren Vorsitzenden Ralf Volgmann am Donnerstag in einer Mitgliederversammlung einstimmig für das Bürgermeisteramt nominiert und anschließend ebenso einmütig und ohne weitere Debatte die Vorschlagsliste für die Wahl zur Gemeindevertretung verabschiedet.

Volgmann ist Vorsitzender der SPD Wettenberg, des Bürgerprojekts Gleiberg, Vorstandsmitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg und engagiert sich als Vorsitzender des Sozialausschusses in der Gemeindevertretung. Seit 2018 verantwortet der gelernte Bäcker, Erzieher und Gemeindepädagoge als Geschäftsführer von " Schule @Gießen"die Ganztagsangebote aller Gießener Schulen. Zuvor hatte sich Volgmann in der kirchlichen Arbeit und in der Sozialarbeit in Gießen eingebracht. Vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war und ist ihm ein zentrales Anliegen.

Gemeinsam für Wettenberg" hat er seine Bewerbung um das Bürgermeisteramt überschrieben; Volkmann will, wie im seitherigen Beruf und im Ehrenamt, auch im Rathaus und im Dialog mit den Bürgern ausdrücklich als Teamplayer agieren und sieht sich dabei "gleichermaßen als Moderator und Motor".

"Ich bin auf Unterstützung und Mitarbeit angewiesen. Ich wünsche sie mir ausdrücklich", lädt er zum Mitmachen ein. Als Themenschwerpunkte benennt der Sozialdemokrat unter anderem das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, eine ausgewogene, hochwertige Gewerbeentwicklung sowie das dringend notwendige Verkehrs- und Radwegekonzept.

Ein Masterplan, ein Gesamtkonzept für die Weiterentwicklung der Kommune ist derzeit unter dem Titel "Wettenberg 2030" in Arbeit, sagte Volgmann.

Im Spätsommer hatte der amtierende Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) angekündigt, nicht über zwölf Jahre hinaus im Rathaus zur Verfügung zu stehen. "Es kam der Reiz des Neuen auf mich zu. Und der war stärker als der Wunsch, mich um eine dritte Amtszeit zu bewerben", sagte er den Mitgliedern, ohne näher darlegen zu wollen, wohin er beruflich strebt. Dass Volgmann als Parteivorsitzender und engagierter Gemeindevertreter mit ausgeprägter sozialer Kompetenz für eine mögliche Nachfolge bereitsteht, habe es ihm leicht gemacht, sich zu entscheiden, sagt Brunner. Er legte den Parteifreunden eine Leistungsbilanz seiner bisherigen Amtszeit vor mit Investitionen von rund 30 Millionen Euro in die Kommunale Infrastruktur seit 2010 - und das bei gleichzeitigem Abbau von Schulden.

Dabei schlug Brunner den Bogen zurück zur Arbeit seiner Vorgänger Gerhard Schmidt und Günter Feußner: "Wir haben in über 40 Jahren in Wettenberg viel erreicht. Das steht auf dem Spiel, wenn die Gemeinde nicht mehr sozialdemokratisch regiert wird", warb Brunner bei den Parteifreunden für engagierte Wahlkämpfe in 2021.

Wann genau die Bürgermeisterwahl sein wird, das steht noch nicht fest. Voraussichtlich zwischen Juni und Oktober 2021. Brunners Amtszeit endet am 31. Januar 2022.

Schon sehr frühzeitig hat die CDU ihren Kandidaten fürs Rathaus präsentiert: Andreas Heuser, Polizeihauptkommissar aus Frankenbach mit Wurzeln in Krofdorf-Gleiberg, ist vor vier Wochen von den Christdemokraten nominiert worden. Ob es weitere Bewerber um die Brunner-Nachfolge gibt, ist noch offen.

In der Gemeindevertretung stellt die SPD in Wettenberg traditionell die mit Abstand stärkste Fraktion. Bis 2015 war sie sogar mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet. Seitdem gibt es eine Zusammenarbeit mit den Grünen.

Für die Wahl zur Gemeindevertretung am 14. März 2021 präsentiert die SPD ein 33 Namen umfassendes Angebot: Spitzenkandidat ist Ralf Volgmann, gefolgt vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Hans-Peter Steckbauer, sowie dem Fraktionsvorsitzenden Prof. Dr. Ulrich Ellinghaus. Die weiteren Kandidaten (bis Listenplatz 20): Kira Daubertshäuser, Reinhard Bamberger, Ines Wegener, Kai Daubertshäuser, Julia-Swantje Fritsch, Ramon Plaß, Oliver Wegener, Heide Simonis, Pierre Bittendorf, Tobias Wagenknecht, Hans Karpenstein, Regina Schwalb-Gwosc, Prof. Dr. Hans-Richard Wegener, Sven Hofmann, Otwin Balser, Ekrem Eren und Gerald Payer. FOTO: SO

Wir verwenden Cookies um unsere Seite zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick "Alle erlauben" erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren, erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.